Die Giraffe Esmeralda auf dem Bauernhof

 

Es war einmal eine Giraffe. Sie hieß Esmeralda. 

 Esmeralda lebte im fernen Afrika, mit vielen Tieren. Da waren Antilopen, Affen, Löwen, Elefanten, Gazellen und eine Menge andere Tiere.

 Esmeralda hatte viele Freunde. Es gefiel ihr dort, wo sie war und sie wollte nicht aus Afrika fort. 

 Eines Tages kamen Tierfänger und fingen Esmeralda und einige andere Tiere ein. Als Esmeralda in ihrem großen Käfig stand dachte sie:

 „Oh, wie schrecklich! Ich möchte doch hier bleiben. Hier ist mein Zuhause.“

 Aber es half nichts. Alle Tiere, auch Esmeralda, wurden in ihren Käfigen in ein Flugzeug geladen und in ein anderes Land gebracht. In diesem Land war es viel kälter als in Afrika und die Tiere froren. Sie hatten auch nichts zu Essen bekommen. Deshalb war ihr Hunger groß. Esmeralda dachte:

 „Ich möchte nach Hause!“ 

 Außer Esmeralda wurden alle Tiere in Zoos untergebracht. Die Giraffe aber wurde auf einen Lastwagen verladen und zu einen Bauernhof gefahren. 

 „Was soll das?“ rief der Bauer, als der Käfig mit Esmeralda abgeladen wurde.

 „Ich habe keine Giraffe bestellt. Ich wollte doch Kunstdünger!“

 Der Fahrer des Lastwagens zeigte dem Bauern ein Blatt Papier. Darauf stand:

 „200 Kilogramm Esmeralda“

„Nein!“ sagte der Bauer unglücklich. 

 „Ich wollte 200 Kilogramm Esmeralda-Kunstdünger!“

 Der Lastwagenfahrer sagte nur: „Also ich habe Esmeralda geliefert. Ich bin nicht zuständig für Bestellirrtümer.“ 

 Nun hatte der Bauer eine Giraffe Esmeralda und keinen Kunstdünger.

 Der Bauer sah nun, dass Esmeralda fror. Er brachte sie in der großen Maschinenhalle unter. Im normalen Stall hätte sie nicht hinein gepasst. Dafür stellte er alle Maschinen nach draußen auf den Hof. 

 Dann holte er Futter aus dem Silo und gab es Esmeralda zum Fressen. Esmeralda dachte: „Schmeckt nicht wie daheim, aber besser als gar nichts.“ 

 Die Kühe, Schweine und Hühner auf dem Bauernhof fragten Esmeralda:

 „Was bist du denn? Du siehst so komisch aus.“ 

 „Ich bin eine Giraffe und komme aus Afrika.“ antwortete Esmeralda.

 „So etwas haben wir hier noch nie gesehen.“ sagte das Schwein und die Hühner lachten gackernd.

 Der Boden der Maschinenhalle war aus Beton und sehr hart. Der Bauer holte Stroh, damit Esmeralda es wärmer und weicher hatte. Darüber freute sie sich. Denn sie mochte das Stroh auch fressen. 

 Eines Tages kam der Bauer in die Maschinenhalle und sah, dass die Giraffe weinte. Große, dicke Tränen rannen aus ihren Augen und sie jammerte vor sich hin:

 „Ich möchte heim. Ich möchte so gern heim.“

 Das tat dem Bauern sehr leid und außerdem gefiel es ihm nicht, dass seine Maschinen draußen auf dem Hof im Regen standen. Er beschloss seinen Nachbarn zu fragen. Der war nämlich manchmal auf Urlaub in Afrika.

 „Kannst du Esmeralda nach Afrika mitnehmen? Hier ist sie gar nicht glücklich und ich kann hier doch nicht weg.

 Sein Freund sagte: „Ja. Natürlich. Wenn du ihre Fahrtkosten bezahlst.“

„Wird sicher sehr teuer sein. Sobald ich genug Geld gespart habe, fährst du mit ihr nach Afrika.“

 In der Nacht hatte der Bauer eine Idee, wie er genug Geld zusammen bekommen konnte. Er wollte den Leuten sagen, dass er eine Giraffe auf dem Bauernhof hatte und dann sollten sie dafür bezahlen, dass sie sie sehen durften. So setzte der Bauer eine Anzeige in die Zeitung:

 „Giraffe zu besichtigen. Auf dem Bauernhof in der Maschinenhalle. Eintritt zehn Euro. Kinder zahlen die Hälfte.“

 Daraufhin kamen wirklich viele Leute mit ihren Kindern und wollten Esmeralda sehen.

 Den Kühen und den Schweinen gefiel es nicht, dass es auf dem Bauernhof nun so unruhig war. Am schlimmsten fand es Esmeralda selber. So viele Menschen und alle wollten sie anfassen. Manche Kinder waren auch böse und zwickten die arme Giraffe. Das tat ihr sehr weh. Weil sie aber wusste, dass der Bauer das Geld für ihre Reise brauchte, beklagte sie sich nicht. Einmal sah das Schwein wie Esmeralda von einem kleinen, blonden Jungen gezwickt wurde. Da lief das Schwein zu dem Jungen, hob das Hinterbein und pinkelte ihm an die Hose. Der Junge weinte und lief zu seiner Mutter. Die wollte sofort ihr Geld für den Eintritt zurück.

 Ja. So war das. 

 Zum Glück dauerte es nicht lange und sie hatten genug Geld für die Reise nach Afrika. 

 Der Nachbar kam, die Giraffe Esmeralda wurde auf einen Lastwagen verladen und zum Flughafen gefahren. Sie flogen über das Meer bis in die Mitte von Afrika, wo Esmeraldas Heimat war. Dort wurde sie frei gelassen. Ihre Freunde freuten sich sehr und Esmeralda fühlte sich überglücklich. Sie lief über die Savanne, zupfte Blätter von den hohen Bäumen und dachte an ihre Freunde in dem fremden, kalten Land. Aber die würden sich hier in der Hitze von Afrika nicht so wohl fühlen. 

 Vielleicht kamen sie ja mal zu Besuch. Ein Besuch ist was Schönes. Da kann man hinterher wieder heim fahren und an die schöne Zeit zurückdenken. Nur eines wusste Esmeralda nicht: Ob der Bauer endlich seinen Kunstdünger geliefert bekommen hatte, der auch Esmeralda hieß.

 

 Für Robin